Die richtige Wortwahl

Letztes Update:
von sanchez.s
Wortwahl

Der erste Schritt auf dem Weg zum guten Text ist das treffende Wort. In diesem Hauptkapitel lernst du, welche Wörter deinen Text bereichern und welche Gift für deine Texte sind.

Benutze einfache Wörter

Hausmeister oder Facility-Manager – was findest du verständlicher?

Natürlich Hausmeister.

Dieses Wort benutzen wir schon seit Generationen.

Bei deinem Lesern entstehen sofort Bilder im Kopf von einem untersetzten Mitfünfziger im Blaumann, der zwar grimmig guckt, aber eigentlich total hilfsbereit ist.

Gute Texte bestehen aus einfachen Wörtern, die jeder sofort versteht.

Viele Texter benutzen Fachbegriffe und Anglizismen, um besonders klug zu klingen.

Sie optimieren, statt zu verbessern und reduzieren, statt zu verringern.

Benutze Wörter, die jedes Grundschulkind versteht.

Dein Job ist es nicht, Dinge kompliziert klingen zu lassen, sondern komplizierte Dinge verständlich zu machen.

Vermeide folgende Wortgruppen:

  1. Fremdwörter, vor allem lateinische und griechische Begriffe: Schreibe Dopplung statt Tautologie und Rätsel statt Enigma.
  2. Fachwörter: Schreibe Kartoffel und nicht Agrarprodukt. Windräder heißen Windräder und nicht Windenergieanlagen.
  3. Anglizismen: Da sind wir wieder beim Facility Manager. Manche Anglizismen wie Trick, Training oder Party sind inzwischen so eingedeutscht, dass es lächerlich wirken würde, wenn du sie übersetzen würdest. Aber nicht jeder versteht Service Point und nur ganz wenige Wissen auf Anhieb, was Downsizing bedeutet. Weißt du es?

Schreibe konkret

Eine Person fuhr mit einem Personenkraftwagen vor und verschaffte sich Zugang zu einem Einfamilienhaus.

Das würde vielleicht ein Polizist in seinem Fallbericht schreiben, aber kein Texter.

Warum?

Der Satz ist viel zu abstrakt.

Texter werden konkret.

Leo, der Einbrecher, parkte seinen verbeulten Golf direkt unter dem Wohnzimmerfenster und hebelte die Jalousien auf.

Nur wenn du konkret wirst, entstehen bei deinen Lesern Bilder im Kopf.

Schreibe nicht Werkzeug, wenn du auch Hammer sagen kannst.

Manche werden nicht konkret, weil sie einen Anspruch auf Vollständigkeit behalten wollen, alle Situationen und Alternativen abdecken wollen.

Deinen Texten schadet das: Schreib nicht Gemüse sondern lieber Zwiebeln und Karotten. Die Gurken, Paprika und Tomaten können sich dein Leser dazu denken.

Textballast

Konkret bedeutet das, dass wir schlicht und einfach suboptimal gewirtschaftet haben.

Dieser Satz strotzt vor Textballast. Und Ballast erschwert das Verständnis deiner Texte.

  • Vermeide Füllwörter wie also, irgendwie, durchaus oder halt. Eine lange Liste von Giftwörtern findest du beim Schreibsuchti.
  • Vermeide die Steigerung sehr. Wer mit sehr steigert, ist zu faul, sich eine kreative Steigerung einfallen zu lassen.
  • Vermeide schwache Verben, wie machen und durchführen. Sie tauchen meist gemeinsam mit Wörtern wie Prüfung oder Reparatur auf. Du führst keine Prüfung durch, du prüfst.
  • Hilfsverben, wie müssen, sollen, dürfen, lassen oder werden. Sie relativieren deine Sätze oder setzen sie ins Passiv. Beides macht deinen Text schwächer ähhh… schwächt deinen Text, wollte ich natürlich sagen 😊
  • Vermeide sinnlose Floskeln, wie lange Rede, kurzer Sinn. Hallo, du bist Texter, also bitte kurz.
  • Oder noch schlimmer: An dieser Stelle möchte ich… Los, tue es und quatsch nicht nur.

Streiche diesen Textballast rigoros aus deinen Texten. Sonst wirkst du geschwätzig.

Denk dran, deine Leser haben keine Zeit und werden von allen Seiten mit Informationen bombardiert.

Kleiner Tipp: Ich habe mir mal für einen Monat alle Giftwörter, die ich gern benutze, bei Word bei der Autokorrektur so eingestellt, dass jedes Mal automatisch drei Sterne *** an das Wort drangehängt werden.

So habe ich mir abgewöhnt, diese Wörter allzu häufig zu verwenden.

Vermeide Synonyme

Tim ist Fußballer. Der 19jährige spielt für den 1.FC Neustadt. Im letzten Spiel erzielte der gebürtige Münchener 2 Tore.

Tim, der 19 jährige, der gebürtige Münchener – das sind Synonyme. verschiedene Beschreibungen ein und derselben Person.

Mein Deutsch-Lehrer in der Schule hat immer gesagt, ich solle ganz viele Synonyme benutzen. Sie bringen Abwechslung in den Text.

Ich weiß heute: Synonyme stiften auch Verwirrung und machen den Text kompliziert.

Der Leser muss bei jedem Satz neu überlegen, von wem die Rede ist und braucht deshalb viel länger, um ihn zu erfassen.

Synonyme bringen Abwechslung, ja. Aber zentrale Begriffe lässt du am besten wie sie sind.

Mein Deutsch-Lehrer hat noch was gepredigt: Ich soll mich nicht wiederholen!

Schon wieder falsch. Im diesem Artikel zeige ich dir, wie du dich wiederholen darfst und warum du in guten Texten häufig Wiederholungen findest.

Wiederhole dich

Es gibt gute Wiederholungen und schlechte Wiederholungen.

Schlecht ist, wenn du ein und dieselbe Sache dreimal mit verschiedenen Worten erklärst.

Das nervt und erzeugt beim Leser das Gefühl, er wäre zu blöd, um deine Info schon beim ersten Mal zu verstehen.

Gute Wiederholungen sind Anekdoten, Metaphern, Beispiele und Vergleiche. Sie sind wichtig, vor allem bei komplexen Themen. Sie sorgen für Verschnaufpausen.

Nackte Informationen fesseln deine Leser nicht lange. Sie wollen Veranschaulichungen – ein bisschen Drumherum.

Gute Wiederholungen sind unterhaltsam. Du kannst eine Zahl unterhaltsam mit einem Vergleich veranschaulichen.

Der Wolkenkratzer misst 600 Meter. Das ist doppelt so hoch wie der Eiffelturm.

Vergleiche und Metaphern lassen Bilder im Kopf deiner Leser entstehen. Anekdoten machen deinen Text persönlicher.

Gute Wiederholungen sind das Salz in deiner Textsuppe.

Fazit

Deine Texte brauchen bestimmte Wörter dringend, andere lässt du besser weg.

  • Gute Texte bestehen aus einfachen und konkreten Wörtern.
  • Füll-, Fremd- und Fachwörter und schwache Verben gehören dagegen in den Giftschrank.
  • Synonyme sind nicht immer eine gute und Wiederholen nicht grundsätzlich eine schlechte Idee.

Wichtig: Klammere dich nicht zu sehr an solchen Faustregeln fest. Habe sie im Hinterkopf und breche sie, wenn nötig.

Welche Tipps sind für dich schon längst kalter Kaffee und von welchen hast du zum ersten Mal gelesen. Wirst du Sie ausprobieren?

Schreibe einen Kommentar unter dein Beitrag oder schreibe mir eine E-Mail an simon.sanchezreal(at)gmail.com

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