Der Träumer und der Kritiker

Letztes Update:
von sanchez.s
Träumer und Kritiker

Ein einsamer Autor wird von der Muse geküsst und zaubert – wie von Geisterhand – über Nacht einen Bestseller aufs Papier.

Das ist eine sehr romantische Vorstellung vom Texter-Dasein.

Und völliger Quatsch.

Wenn wir texten, bringt unser Gehirn Höchstleistungen.

Es funktioniert wie eine Werkstatt, in der mehrere Handwerker ein komplexes Produkt erschaffen und sich manchmal in die Quere kommen.

Der Schreibprozess ist nicht linear

In dem Teil des Hirns, indem wir unsere Sprache und damit auch unsere Texte bilden, gibt es zwei Materiallager.

  • für Konzepte und Gedanken
  • für Wörter, Stilfetzen, Wörter und Satzfragmente

Aus diesen beiden Materialtypen basteln wir in 3 Schritten unsere Texte:

  1. Wir verwandeln lose Gedanken in erste sprachliche Versuchsstücke.
  2. Daraus formen wir Satzteile und ganze Sätze.
  3. Wir prüfen Grammatik, Rechtschreibung und Semantik (Wordbedeutung).

Von Materialeingang bis Auslieferung der Texte passiert der Prozess aber nicht linear.

Manchmal arbeiten zwei Arbeitsstationen nicht gut zusammen.

Wenn sich zum Beispiel die Kontrollinstanz für Rechtschreibung und Grammatik zu früh einmischt, kommt der Kreativprozess zum Erliegen.

Linke vs. rechte Gehirnhälfte

Beim Schreiben arbeiten Verstand und Gefühl Hand in Hand.

Die linke Gehirnhälfte ist für Logik, Analyse und Abstraktion zuständig. Hier produzierst du eine Sprache mit der ganzen Grammatik, Semantik und so weiter.

Deine rechte Gehirnhälfte ist für Emotion, Intuition und Assoziation verantwortlich. Hier entstehen Witz, Ironie und ausdrucksstarke Sprachformen, kurz dein Stil.

2 Handwerker im Streit

Stelle dir die beiden Hirnregionen beim Schreiben wie zwei streitende Handwerker in deiner Schreibwerkstatt vor. Sie liegen sich permanent in den Haaren, haben abwechselnd das Sagen und beeinflussen sich gegenseitig.

Der eine Handwerker ist ein Träumer. Er ist der Kreativkopf und entwickelt die Ideen.

Sein Gegenspieler ist der Kritiker. Er steht für analytische Präzision und stichhaltige Beweisführung.

Beim Schreiben kann es passieren, dass der Kritiker die kreativen Ideen des Träumers im Keim erstickt.

Der Träumer quittiert frustriert seinen Dienst und das Fließband in deiner Schreibwerkstatt steht still. Eine ausgewachsene Schreibblockade entsteht.

Andersherum kann es passieren, dass der Kritiker seinen Job zu locker nimmt und den Kreativen nicht im Zaum hält.

Deine Schreibwerkstatt produziert Text wie am Fließband, aber der Text geht am Thema vorbei, strotzt vor Fehlern oder ist unstrukturiert.

Du schreibst am besten, wenn sich die intuitive und die analytische Gehirnhälfte, der Träumer und der Kritiker immer wieder bewusst abwechseln.

Fazit

Beim Schreibprozess müssen Kreativität und Analytisches Denken zusammenarbeiten.

Liegen Träumer und Kritiker im Streit, läuft das Texten nicht rund.

Was kannst du tun, damit die beiden Streithähne sich verstehen?

Die erste Maßnahme hast du bereits umgesetzt: Sei dir bewusst, wie der Schreibprozess funktioniert.

Die zweite Maßnahme: Entwickle eine Schreibroutine.

  • Plane deine Texte
  • Hole dir Feedback zu deinen Texten ein
  • Kümmere dich um Zeitmanagement und Arbeitsplatz

Wer ist bei dir der Stärkere? Der Träumer oder der Kritiker?

Schreibe einen Kommentar unter den Artikel oder eine E-Mail an simon.sanchezreal(at)gmail.com.

Das könnte dich auch interessieren

Wow, wir kommen langsam aber sicher ans Ende des Projekts....
Am Ende des Projekts Die Schreibwerkstatt gebe ich dir noch...
Du hast dein eigenes Nachrichten-Portal gebaut. Nimm dir jetzt einen...
Jeder, wirklich jeder Texter, egal wie gut er ist und...

Kommentare

{{ reviewsTotal }} Review

{{ reviewsTotal }} Reviews

{{ options.labels.newReviewButton }}
{{ currentUserData.canReviewMessage }}