Sätze bauen, die jedes Kind versteht

Letztes Update:
von sanchez.s
Sätze bauen

Die treffendsten Wörter sind für die Katz, wenn sie zu komplizierten Sätzen zusammengefügt werden. In diesem Artikel lernst du, wie du Sätze baust, die jedes Kind versteht.

Außerdem erfährst du, 

  • was wir von Barack Obama über den Satzbau lernen können.
  • wie lange unser Kurzzeitgedächtnis einen Gedanken speichert.
  • warum Angela Merkel keine Lügnerin ist, sondern stets die Wahrheit sagt.

Je kürzer, desto besser

3 Sekunden, solange speichert unser Kurzzeitgedächtnis einen Gedanken. Das sind etwa zwölf Silben.

Wenn du in einem längeren Satz Bezug auf etwas nimmst, was länger als 3 Sekunden her ist, verliert dein Leser den Faden. Das passiert häufig bei zweiteiligen Verben, die auseinandergerissen werden.

Zum Beispiel: Deine Leser finden, wenn du sehr lange und komplexe Sätze mit mehr als 12 Silben benutzt und sie beim Lesen den Faden verlieren, den Sinn deiner Sätze nicht mehr heraus.

Forschungen haben gezeigt, dass Erwachsene Leser Sätze mit 11 bis 14 Wörtern gut verstehen können.

Alle wichtigen Aspekte deines Gedankens gehören in den Hauptsatz.

Subjekt, Prädikat, Objekt.

Das nehmen deine Leser am besten auf, denn unser gesprochenes Wort funktioniert nach demselben Schema.

Nebensätze benutzt du für weitere Erläuterungen.

Vermeide eingeschoben Nebensätze. Denn eingeschobene Nebensätze, wie dieser Nebensatz zeigt, stören den natürlichen Lesefluss.

Passiv-Sätze verlängern Sätze grundlos und schieben das Prädikat nach hinten.

Aus Passiv-Sätze schaden guten Texten wird Gute Texte werden von Passiv-Sätzen geschadet.

Der Satz ist zwei Wörter länger und das Prädikat, das Sätzen Dynamik bringt, verstecken wir in einem Partizip und schieben es nach hinten.

Vermeide Passiv-Sätze wo du es kannst.

Kurze Sätze bleiben besser im Gedächtnis und sind häufig viel imposanter als endlose Wortkaskaden.

Nicht zufällig sind berühmte Sätze kurz und knackig, zum Beispiel

Ich bin ein Berliner.

Wir sind das Volk.

I have a dream.

Ein sehr berühmter Satz ist noch gar nicht so alt, hat nur 3 Silben und bringt trotzdem das Thema exakt auf den Punkt.

Mit welchem Claim wurde Barack Obama Präsident: Yes, we can.

Vermeide Substantivierungen

Realisierbarkeiten, Inanspruchnahmen und Leistungserbringungen.

Diese schrecklichen Bürokratenwörter sind Erfindungen von seelenlosen Schreibern, die meinen, dass sie mit möglichst komplizierten Wörtern kompetent wirken würden.

Im Grammatik-Jargon heißen diese Wörter Substantivierungen. Substantivierungen waren ursprünglich schöne, dynamische Verben, die ein böser Autor zu statischen Substantiven (auch bekannt als Nomen oder Namenwörtern) umgewandelt hat und ihnen damit jegliches Leben ausgesaugt hat.

Substantivierungen sind die Lieblingswörter von Juristen und Finanzbeamten. Aber in deinen Texten haben sie nichts zu suchen.

Wo ein Verb passt, ziehe es dem Substantiv vor.

2 Gründe:

  1. Verben treiben deinen Text voran und bringen Dynamik.
  2. In der deutschen Sprache hast du bei den Verben viel mehr Auswahl als bei den Substantiven.

Ein Beispiel:

Wir nehmen folgenden Satz, den ein Finanzbeamter nicht hätte besser formulieren können:

Bei Inanspruchnahme unserer Hilfe entstehen keine Kosten.

Jetzt nehmen wir die Substantivierung Inanspruchnahme und machen daraus ein Verb.

Wenn Sie unsere Hilfe in Anspruch nehmen, entstehen keine Kosten.

Für den komplizierten Ausdruck in Anspruch nehmen, schreiben wir einfach nutzen.

Wenn Sie unsere Hilfe nutzen, entstehen keine Kosten.

Und die Königsdisziplin. Wir wandeln den Inhalt dieses Satzes und formulieren ihn so um, dass ihn jedes Kind versteht:

Wir helfen Ihnen und Sie bezahlen nichts.

Über Adjektive

Adjektive beschreiben Eigenschaften, nicht mehr und nicht weniger.

Benutze Eigenschaften,

  • um Dinge einzuordnen oder unterscheiden:  Ich meine die blaue Hose, nicht die schwarze.
  • um zu bewerten: ein sehenswerter Film
  • oder überraschend zu beschreiben: erstklassiger Schund

Alle anderen Adjektive blähen deinen Text zusätzlich auf.

Es herrschte brütende Hitze. Besser: Das Thermometer stand auf 39 Grad.

Ob 39 Grad brütend ist, kann dann jeder selbst entscheiden.

Adjektive wiederholen auch oft, was das Substantiv sagt:

Enge Gasse, tragisches Flugzeugunglück.

Auch hier kannst du Adjektive bedenkenlos streichen.

Nein zu Verneinungen!

Stell dir vor, Angela Merkel würde vorgeworfen, sie hätte eine dicke fette Lüge erzählt. Als Reaktion stellt Sie sich vor die Kamera und sagt:

Ich bin keine Lügnerin!

Angela Merkel ist Profi und würde so etwas nie sagen. Spätestens ihr Sprecher würde ihr davon abraten. Warum?

Weil Verneinungen nicht funktionieren. Egal ob in Wort oder Schrift. Bei einer Verneinung schreibst oder sagst du genau das, was du eigentlich nicht sagen willst. Um es dann zu verneinen.

Angela Merkel würde nicht sagen: Ich bin keine Lügnerin!

Sie würde sagen: Ich sage stets die Wahrheit.

Verneinungen verkomplizieren den Satz. Du brauchst mehr Wörter und du entfernst die Aussage des Satzes, die entweder im Objekt oder im Verb steckt vom Subjekt.

Das Gute: Du kannst fast jede Verneinung umdrehen und positiv formulieren.

Der Hund ist nicht pummelig wird zu Der Hund ist schlank.

Der Keller ist nicht dreckig wird zu Der Keller ist sauber.

Fazit

Deine Aufgabe als Texter ist es, Sätze zu bauen, die jedes Kind versteht.

Diese Sätze baust du, wenn du

  • kurze Sätze formulierst
  • Substantivierungen, Adjektive und Verneinungen vermeidest

Helfen dir diese Faustregeln? Hast du Ergänzungen?

Schreibe einen Kommentar unter diesen Artikel oder eine E-Mail an simon.sanchezreal(at)gmail.com.

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