Schreibroutine: Von der Idee zum fertigen Text

Letztes Update:
von sanchez.s
Schreibroutine

Eine Schreibroutine ist die beste Methode gegen

  • Schreibblockaden
  • Kreativ-Durchfall
  • Schlaftabletten-Texte

Eine Schreibroutine begleitet dich von der Ideensammlung über das eigentliche Texten bis zum Feedback-Prozess.

Ideen sammeln

Eis am Stiel und Penicillin. Diese beiden Sachen haben zwei Dinge gemeinsam. Es sind beides unglaublich erfolgreiche Erfindungen. Und es waren beides Geistesblitze.

Ideen entstehen spontan.

Notiere neue Ideen stets sofort, bevor du sie wieder vergisst. Egal, ob du gerade unter der Dusche stehst oder auf dem Klo sitzt.

Swipe File

Ich notiere meine Ideen in meinem Swipe File. Ein Swipe File ist eine lose Sammlung von Ideen, Textfragmenten, Überschriften und allem, was einem gerade einfällt, was man aber in dem Moment nicht weiterverfolgen kann.

Ich nutze für meinen Swipe File Google Notizen. Auf englisch Google Keep.  Ich kenne aber auch viele Autoren und Texter, die OneNote, Evernote oder ganz oldschool ein gutes altes Notizbuch benutzen. Ich finde allerdings ein digitales Swipe File besser, weil ich mein Smartphone eigentlich immer zur Hand habe und ich die Ideen mit einem Notizen-Tool sofort sortieren kann.

Quantität statt Qualität

Bei der Ideenfindung kommt es weniger auf Qualität an, sondern auf Quantität. Die Menge machts. Die Bewertung und Auswahl kommt später. Denke hier an unserer beiden Figuren aus der Schreibwerkstatt, den Träumer und den Kritiker. Das hier ist der Arbeitsbereich des Träumers. Der Kritiker hat hier noch nichts zu melden.

Notiere hier lieber eine Idee zu viel als zu wenig und lasse auch abstruse Ideen und Gedanken zu.

Wenn du Probleme hast, gute Ideen für deine Texte zu finden, probiere Kreativitätstechniken aus. Zum Beispiel Clustering und Mindmapping für dich allein, oder Brainstorming in der Gruppe.

Die Mindmap aktiviert das assoziative, bildliche Denken. Man kann zunächst assoziativ die Hauptthemen und Teilaspekte entwickeln und klebt weniger an Textvorlagen.

Ideen bewerten

Wenn du genug Ideen gesammelt hast, ist die Zeit des Kritikers ist gekommen. Die Ideen müssen bewertet, selektiert und priorisiert werden.

Damit der Kritiker seinen Job gut machen kann, muss er allerdings dein Ziel kennen.

Stell dir folgende Fragen:

  • Was ist die zentrale Botschaft des Textes?
  • Was soll der Leser mitnehmen?
  • Gibt es Nebenziele, zum Beispiel eine bestimmte Darstellungsform des Textes?

Streiche nun alle Ideen, die nicht zum definierten Ziel passen. Alle verbleibenden Ideen bewertest du nun. Schreibe sie in eine Liste. Die beste Idee nach ganz oben, die zweitbeste darunter …

Die Ideensammlung passiert bei mir, bevor ich mich mit dem konkreten Text beschäftige.

Das liegt ganz einfach daran, dass ich häufig zu dem Zeitpunkt, in dem mir die Idee kommt, noch gar nicht weiß, ob die Idee ein Text wird oder ein Video oder ein Podcast oder was auch immer.

Wird aus einer Idee eine konkrete Text-Idee, fange ich an zu planen.

Text planen

Je mehr Zeit du in die Planung deiner Texte steckst, desto leichter wird dir der Text von der Hand gehen.

Und am Ende sparst du sogar Zeit, weil du Textblockaden oder zeitaufwändige Überarbeitungen vermeidest.

Ziel und Zielgruppe

Du startest mit dem Ziel:

  • Was willst du mit deinem Text erreichen?
  • Was ist dein Motiv?

Weiter geht es mit der Zielgruppe:

  • Wen sprichst du an?
  • Was erwarten deine Leser?
  • Welche Sprache sprechen Sie?
  • Welches Vorwissen haben Sie?

Kernbotschaft

Danach formulierst du die Kernbotschaft deines Textes.

Die Kernbotschaft ist nicht unbedingt immer das Ziel.

Schreibst du eine Produktbeschreibung, ist dein Ziel der Verkauf, die Kernbotschaft ist aber, dass dein Produkt die Lösung für das Problem deines Kunden ist.

Es gibt einen kleinen Trick, um die Kernbotschaft herauszukristallisieren: den Küchenzuruf.

Stell dir vor, du stehst du liest Zeitung und dein Partner ruft aus der Küche: Du, was liest du denn da?

Das, was du deinem Partner zurufst, ist vermutlich nicht irgendeine Nebensächlichkeit. Es sind auch keine ewig langen Sätze. Du willst ja die Nachbarn nicht stören.

Du rufst ihm das zu, worum es in dem Artikel geht.

Der Küchenzuruf beantwortet zwei Dinge:

  • Worum geht es?
  • Warum sollte ich das lesen?

Inhalte

Überlege nun, welche Inhalte zu deiner Kernbotschaft gehören. Nutze dazu die Finger-Technik. Nimm eine Hand voll Hauptaussagen, die auf deine Kernbotschaft einzahlen und schreibe sie auf.

Beispiel: Deine Kernbotschaft ist: Laufen ist gesund.

  1. Laufen regt die Fettverbrennung an.
  2. Wer läuft, baut Muskeln auf.
  3. Läufer atmen viel frische Luft.
  4. Laufen stärkt das Herz-Kreislauf-System.
  5. Läufer bilden viel Vitamin D, weil sie häufig in der Sonne sind

Das Grundgerüst deines Textes steht: Ziel, Zielgruppe, Kernbotschaft und 3 bis 5 Inhalte sind formuliert. Das Thema ist recherchiert.

Jetzt geht’s endlich ans Schreiben.

Durchschreiben

Das eigentliche Schreiben passiert in 4 Schritten:

1. Durchschreiben

Schreibe drauf los. Schreibstil, Rechtschreibung und Grammatik sind erstmal egal.

Nimm dir den ersten Inhalt deiner 3 bis 5 Inhalte und schreibe deinen Text.

Dann nimmst du dir den nächsten Inhalt und schreibst wieder durch.

Schreibe auf was du denkst.

Und ganz wichtig: Korrigiere dich nicht beim Schreiben. Schreib einfach.

Die Methode Durchschreiben hilft vor allem bei einer Schreib- oder Denkblockade.

Am Anfang wird es dir vielleicht schwer fallen, durchzuschreiben.

Aber gib der Methode eine Chance. Sie wird dich überraschen.

2. Lücken füllen

Fülle jetzt die Lücken.

Wenn du Struktur und Text zu Papier gebracht hast, erkennst du schnell, was fehlt und wo du noch einen Übergang brauchst.

Vielleicht erkennst du jetzt, das du die Reihenfolge deiner 3 bis 5 Inhalte nochmal tauschen musst oder das ein Inhalt total überflüssig ist und weg kann.

3. Überschrift und Einstieg

Formuliere deine Überschrift und deinen Einstieg.

Ich empfehle dir dringend: Schreibe erst deinen Rohtext und kümmere dich dann um Überschrift und Einstieg. Wenn du schon eine grobe Vorstellung von deinem Text hast, fällt die kreative Arbeit für Überschrift und Einstieg umso leichter.

4. Der Feinschliff

Lies dir deinen Rohtext durch. Achte dabei auf Folgendes:

  • Passen die Formulierungen?
  • Hat der Text einen roten Faden?
  • Ist irgendwas überflüssig und kann weg?
  • Hast du noch Rechtschreib- oder Grammatikfehler im Text.

Zufrieden mit deinem Text? Zeit für den Reality-Check. Frage deine Mitmenschen, was sie von deinem Werk halten.

Redigieren und Feedback

Gute Texte entstehen nur durch gutes Feedback.

Denn egal, wie gut du schreibst. Du weißt erst, wie dein Text auf andere Menschen wirkt, wenn du andere Menschen gefragt hast.

Selbst der beste Schreiber setzt manchmal Dinge voraus, die seine Leser nicht wissen können oder widerspricht sich in seiner Argumentation.

Aber es kommt auf das richtige Feedback an. Achte deshalb darauf, dass du jemanden fragst, der dir gutes Feedback geben kann.

Der richtige Feedback-Geber

Achte dabei auf folgende Punkte:

  • Das Feedback sollte auf Verbesserungsmöglichkeiten ausgerichtet sein. Konstruktiv, nicht destruktiv.
  • Bei einem guten Feedback geht es um den Text und den Autor und nicht um den Kritiker, der versucht, sich durch sein Feedback selbst zu erhöhen.

Gute Kritiker erkennst du daran, dass sie Fragen stellen und sachliche Beobachtungen machen. Schlechte Kritiker werten sofort.

Das richtige Feedback

Wenn möglich führe ein Feedback-Gespräch mit deinem Feedbackgeber. Besprecht folgende Fragen:

  • Welche Infos fehlen im Text?
  • Welche Perspektiven sind nicht einbezogen worden oder wurden vernachlässigt?

Noch zwei Tipps aus meiner eigenen Erfahrung:

Frage zwei unterschiedliche Personen jeweils für die Rechtschreib- und Grammatik-Prüfung deines Textes, also das Korrektorat, und die inhaltliche Prüfung, also das Lektorat. Beide Feedback-Geber können sich dann voll auf ihre jeweilige Aufgabe konzentrieren.

Falls kein geeigneter Feedbackgeber verfügbar ist, hole dir indirektes Feedback ein, indem du den Text von jemandem vorlesen lässt. Dort, wo er stockt oder nochmals lesen muss, stimmt meistens etwas nicht.

Fazit

Planst du deine Schreibroutine von der Idee über die Textfertigung bis zum Feedback-Prozess und wiederholst diese Routine immer und immer wieder, gibt dir das Sicherheit.

Du blendest alles andere aus und konzentrierst dich zu 100 Prozent auf den Schaffungsprozess.

Hast du die Methode ausprobiert? Verfolgst du eine andere Schreibroutine?

Teile deine Gedanken und schreibe einen Kommentar unter den Artikel oder eine E-Mail an simon.sanchezreal(at)gmail.com.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Schreibroutine!

Das könnte dich auch interessieren

Peters erster Artikel ist fertig. Er ist in WordPress eingepflegt,...
Mit diesem Crashkurs schreibst du in kürzester Zeit geile Blog-Artikel,...
Du hast das Projekt Die Schreibwerkstatt geschafft! Mit jedem Text,...
Ich zeige dir den Hebel, der bei meinen Projekten am...

Kommentare

{{ reviewsTotal }} Review

{{ reviewsTotal }} Reviews

{{ options.labels.newReviewButton }}
{{ currentUserData.canReviewMessage }}