Der eigene Schreibstil

Letztes Update:
von sanchez.s
Schreibstil

Du benutzt die richtigen Wörter, baust hammermäßige Sätze zu mitreißenden Überschriften, Einstiegen und Zitaten. Du planst Texte wie ein Weltmeister. Du hältst dich an alle Regeln der Schreibkunst. Die Texte sind gut, aber es fehlt noch das gewisse Etwas. 

Gute Texter haben wie Maler oder Musiker nicht nur eine ausgezeichnete Technik, sondern auch ihren persönlichen Stil. Der eigene Stil entwickelt sich mit der Zeit. In diesem Artikel zeige ich dir ein paar Tricks, wie du die Bildung deines Schreibstils anheizen kannst.

Außerdem erfährst du:

  • dass Regeln da sind, um sie gelegentlich zu brechen.
  • was Texter aus der Bibel lernen können.
  • warum ich Zahlen bis 12 nie ausschreibe.

4 Stil-Kniffe

Einen eigenen Schreibstil zu finden, kann man nicht in einem Blog-Artikel oder Online-Kurs lernen. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht: Deinen eigenen Stil findest du von ganz allein. Vorausgesetzt du kopiert nicht immerzu von anderen Autoren und übst fleißig.

Ich habe beobachtet, dass die Bildung eines Schreibstils häufig damit einhergeht, die Regeln, die wir in diesem Artikel besprechen, bewusst zu brechen.

Aber um Regeln zu brechen, musst du sie zunächst kennen und beherrschen. Erst kommt das Handwerkszeug und dann der Stil.

Trotzdem gebe ich dir ein paar Kniffe an die Hand, mit denen du deine Texte sofort etwas aufmotzen kannst:

1. Dreiklang

Blut, Schweiß und Tränen (Churchill)

Er kam, er sah, er siegte (Julius Cäsar)

oder

Freiheit, Gleicheit, Brüderlichkeit (Robespierre)

Dreiklänge, also die Aufzählung von drei Dingen ist ein mächtiges Stilmittel beim Texten.

Menschen hören und lesen sie einfach gern.

Dreiklänge kannst du mit einzelnen Worten bilden, zum Beispiel als Aufzählung hinter einem Doppelpunkt.

2. Doppelpunkt-Sätze

Du betonst Aussagen besonders gut, indem du sie hinter ein Doppelpunkt schreibst.

Möchtest du ein Wort oder eine Aussage besonders betonen: Schreibe sie hinter den Doppelpunkt.

3. Dialogisch schreiben

Stelle eine Frage und antworte darauf.

Der Text liest sich gut, weil der Autor dialogisch schreibt.

Warum liest sich der Text so gut? Der Autor schreibt dialogisch.

Das dialogische Schreiben nutzt ein psychologisches Grundmuster aus, das bei allen Menschen gleich ist.

Wenn wir eine Frage hören, möchten wir die Antwort wissen.

4. Zahlen

Ich schreibe Zahlen nie aus. Ich weiß, dass ich Zahlen bis 12 eigentlich ausschreiben müsste. Aber ich tue es nicht. Ich breche die Regel.

Zahlen fallen auf in deinem Text und wirken besonders anziehend.

Wenn du Zahlen nicht durch irgendwelche Konventionen ausschreiben musst, zum Beispiel bei Pressetexten, schreibe sie nicht aus.

Schreibe abwechslungsreich

Keine Synonyme, keine eingeschobenen Nebensätze, keine Substantive, wenig Adjektive. Ist beim Texten eigentlich alles tabu.

Wie sollen wir bei all diesen Verboten denn abwechslungsreich schreiben?

Keine Sorge. Es gibt ein paar Tricks.

Variiere deine Hauptsätze

Hauptsätze tragen eine besondere Kraft in sich.

Aber immer nur Subjekt, Prädikat, Objekt wird auf die Dauer langweilig.

Variiere die Stellung der Satzteile. Stelle zum Beispiel das Objekt nach vorn.

Sag statt ich mag gute Texte einfach mal Gute Texte mag ich.

Breche das Synonym-Verbot

Du solltest das Verbot mit den Synonymen nicht zu eng sehen.

Vermeiden brauchst du sie nur bei zentralen Begriffen.

Schreibst du einen Text über einen Dackel, solltest du ihn Dackel nennen und nicht Vierbeiner, Wau-Wau und so weiter.

Sein Futter kannst du aber bedenkenlos Fresschen oder Mahlzeit nennen.

Dein Text wird dadurch abwechslungsreicher.

Satzrhythmus

Spiele mit der Satzstellung, also der Reihenfolge von Haupt- und Nebensätze.

Verwende hin und wieder vorangestellte Nebensätze oder lasse jeden dritten Satz mit einem Nebensatz ausklingen.

Du wirst merken, dass dein Text wie einem Musiksong einen schönen Rhythmus bekommt..

Aneinander gereihte Hauptsätze bringen Tempo wie Pistolenschüsse. Bam Bam Bam.

Nimm zum Beispiel folgenden Bibelspruch.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Vergleiche sie mit folgender Variante

Der Herr ist mein Hirte und mir wird nichts mangeln.

Die erste Variante hat einfach mehr Wumms.

Sprachliche Bilder

Sprachliche Bilder bereichern deinen Text.

Sie erlauben deinem Leser, Gefühltes und Abstraktes besser zu verstehen.

Haushohe Wellen vermitteln ihm ein Gefühl Kraft und Geisterfahrer signalisiert Gefahr.

Man kann es mit Metaphern aber auch übertreiben. Manche Autoren reiten zu lange auf einem Bild herum und wollen es auf Teufel komm raus weiterführen.

Was wir momentan von der Finanzkrise auf uns zukommen sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs, die wir glauben, sicher umschiffen zu können – unter dem Kreditmeer liegt jedoch die eigentliche Gefahr. Und unsere Wirtschaft steuert direkt darauf zu. Der Kapitän will es nicht glauben, die Passagiere amüsieren sich zu gut, um darauf zu achten, und auf die, die davor warnen, wird nicht gehört.

Wenn du ein sprachliches Bild einsetzt, setze es am Anfang und am Ende und klammere damit deinen Text ein.

Zusätzlich lässt du es zwischendrin ab und zu fallen, um deinen Leser daran zu erinnern.

In den restlichen Zeilen brauchst du es nicht immer wieder zu erwähnen, denn es bleibt von ganz allein in der Vorstellung deines Lesers und schwebt mit.

Am Leser orientieren

Stell dir vor, du schreibst einen Text über die Therapie von Heuschnupfen.

Es ist ein meilenweiter Unterschied, ob du diesen Text für eine Fachzeitschrift für Allergologen schreibst oder für die Apotheken Rundschau.

Frage dich vor dem Formulieren deines Textes, wie dein Leser aussieht.

1. Was hat mein Leser für ein Vorwissen zu diesem Thema?

Der Kicker wird das Fußballderby zwischen Dortmund und Schalke anders kommentieren als die Süddeutsche Zeitung.

Schreibe ich für ein Fachpublikum, zum Beispiel die Leser einer Fachzeitschrift, kann ich bedenkenlos bestimmte Fachwörter benutzen.

2. Was hat mein Leser für eine Erwartungshaltung?

Möchte er unterhalten werden, erwartet eher mitreißende, spannende Worte.

Wenn er aber nur die aktuelle Wettervorhersage möchte, kannst du die 19 Grad mit leichten Schleierwolken ohne viel Tamtam verkünden.

3. Was für eine Sprache spricht mein Leser?

Triffst du den Ton deiner Leser, werden sie deinen Text viel eher lesen und verstehen.

Triffst du ihn nicht, wird der Leser ihn im besten Fall ignorieren und im schlimmsten Fall dich als Autor verschmähen.

Stelle dir folgende Fragen

1. Duzt du Siezt du?

Wie gehst du damit in der restlichen Korrespondenz um, zum Beispiel bei Briefen oder im persönlichen Gespräch. Im besten Fall solltest du überall einheitlich duzen oder siezen.

2. Umgangssprache?

Wie sprechen und schreiben deine Leser? Was erwarten Sie?

Beantworte diese Fragen, bevor du einen Text formulierst.

Ich gehe sogar soweit, dass du diese Fragen für dein ganzes Projekt beantworten solltest, also für dein Magazin, Blog, deine Website oder wofür auch immer du textest.

Fazit

Ein eigener Schreibstil fällt dir nicht einfach in den Schoß. Er braucht Zeit, kann aber mit einigen Tricks gefördert werden.

  • Dreiklänge
  • Doppelpunktsätze
  • Dialogisches Schreiben
  • Metaphern
  • Sprachmelodie
  • Leserorientierung

Wie steht es um deinen Schreibstil? Findest du meine Tipps nützlich? Hast du Anregungen oder Ergänzungen?

Schreibe eine Kommentar unter diesen Artikel oder eine E-Mail an simon.sanchezreal(at)gmail.com

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